Vorbild

 

Bahnhof Filisur in 1990.

 

Meine Modelleisenbahn erinnert an meine Ferien in den neunziger Jahren in Filisur. Filisur liegt an der Eisenbahnlinie der Rhätischen Bahn von Chur nach St. Moritz. Die Rhätische Bahn ist ein ideales Vorbild für die Modelleisenbahn. Eine Schmalspurstrecke mit begrenztem Platzbedarf, aber mit dem Erscheinungsbild einer Hauptstrecke. Alle Fotos wurden von mir in den Ferien 1990-1995 aufgenommen, sofern nicht anders angegeben.

 

Der Bau

 

Die Geschichte der Rhätischen Bahn geht auf das Jahr 1889 zurück, als die erste Eisenbahnlinie in Graubünden eröffnet wurde. Dank des Niederländers Willem Jan Holsboer aus Zutphen stimmten die Schweizer dem Bau einer Eisenbahn zu. Er blieb in Davos wegen seiner Frau, die mit einer Lungenerkrankung aufgenommen wurde. Er überzeugte Finanziers und die Bevölkerung und erhielt ab 1894 eine Konzession für die erste Schmalspurbahn der AG Schmalspurbahn Landquart-Davos, später Rhätische Bahn (RhB). Mit der Teilnahme des Kantons Graubünden gab es Grünes Licht für den Ausbau und bald war Landquart auch durch die Schmalspurbahn der RhB mit Chur und Thusis verbunden. In 1898 wurde an die spektakuläre Albulabahn von Thusis nach St. Moritz mit zahlreichen Brücken und (Wende-) Tunneln begonnen. Der erste Zug kam 1904 in St. Moritz an.

 

Karte des Eisenbahnnetzes der Rhätischen Bahn.

(Quelle: Wikipedia.org Copyright: Sanschulotte unter Creative Commons 3.0)

 

Karte der Albulabahn

(Quelle: Wikimedia.org Copyright: Pechristener unter Creative Commons 3.0)

Der Bernina Express 500 hat gerade Filisur verlassen und fährt über den weltberühmten Landwasser-Viadukt in Richtung Chur.

Ein Schnellzug mit Glacier Express-Wagen fährt zwischen Preda und Bergün durch Tunnel und über Viadukte nach Chur. 

 

 

Davos war durch die in 1909 eröffnete Eisenbahn durch die Zügenschlucht direkt mit Filisur verbunden. In dieser Linie liegt das 88 m hohe Wiesener Viadukt über dem Landwasser.

 

Zwischen Filisur und Davos fuhren in 1990 Pendelzüge. In Filisur hat mann Anschluss auf die Schnellzüge in Richtung Chur oder St. Moritz.

Der Bahnhof

 

In 1990 hatte das Bahnhofsgebäude ein Hauptgebäude und einen Anbau, den "Postanbau". Neben einem einfachen Wartebereich gab es im Hauptgebäude auch ein Bahnhofsbüro. Der Bahnhofsvorsteher überwachte hier in der Zugleitstelle den Zugverkehr zwischen Thusis und Albula-Tunnel. Er könnte eingreifen durch  auf dieser einspurigen Strecke Zugkreuzungen zu verschieben oder Züge in Zwischenstationen an zu halten.

In Filisur wurden nur die äußersten Weichen elektrisch betätigt. Alle anderen Weichen waren handbedient.

 

Die Straßenseite mit dem Postanbau auf der rechten Bildseite. (Foto René Kokert)

Die Bahnseite mit der Zugleitstelle in der Mitte (hinter der Uhr). (Foto René Kokert)

 

Im Jahr 2004 wurde der Postanbau abgerissen, die Zugleitstelle ist weg und stattdessen gab es ein Café mit Terrasse, in dem Sie jetzt Kaffee mit leckerem hausgemachtem Kuchen bekommen können! Zum Vergleich ein paar Bilder von 2016:

 

In 2016 ein Café mit Terrasse!

Das Moderne Bahnhof im Jahr 2016.

Gleis 1 und 2 sind jetzt durchgehend, das alte Gleis 3 ist weg.

 

Filisur war und ist ein kleines Dorf mit nur über 400 Einwohnern, aber mit einem großen Bahnhof. Zwischen den Zügen gab es noch eine wunderbare Dorfruhe. 1990 war die Atmosphäre wie in alten Zeiten:

 

Sogar Milchkannen gingen 1990 in den Zug!

Morgenruhe .........

Die Züge

 

Die Schnellzüge der Albula-Linie und die Pendelzüge von Davos fuhren stündlich. Dazu der Bernina Express, der Glacier Express und viele Güterzüge. Diese Züge kreuzten oft in Filisur. Siehe auch die Seite:  Fahren nach Fahrplan

Die Passagiere mussten auf tief liegenden Bahnsteigen ein- und aussteigen und über den Gleisen laufen. Trotzdem stand Sicherheit an erster Stelle und ein festes Protokoll wurde mit Schweizer Präzision (und Aufsicht!) Gefolgt:

 

  • Zuerst fuhr der Pendelzug von Davos auf Gleis 4 ein. Reisende stiegen aus und mussten zum Bahnhofsgebäude gehen.
  • Danach kam der erste Schnellzug auf Gleis 2 an. Der Austausch dieser Reisenden fand ebenfalls statt vom Bahnhofsgebäude.
  • Nachdem der erste Schnellzug fertiggestellt und die Türen vor dem Abfahrt geschlossen waren, durfte der zweite Schnellzug einfahren.
  • Noch bevor der zweite Schnellzug auf Gleis 3 anhielt, fuhr der erste Schnellzug auf Gleis 2 ab.
  • Die Fahrgäste des zweiten Schnellzuges mussten daher oft geduldig sein, bis der Weg zum Bahnhofsgebäude frei war.
  • Nachdem der zweite Expresszug abgefahren war, konnten die Passagiere in den Pendelzug nach Davos einsteigen.

 

Ein Pendelzug nach Davos auf Gleis 4.

Bernina Express 501 nach Pontresina und Tirano fährt auf Gleis 2 ein. Auf Gleis 4 wartet der Pendelzug für Davos. Alle Umsteiger befinden sich bereits bei dem Bahnhofsgebäude. Der "Station Vorsteher" schaut zu!

(Foto: René Kokert)

Der Umschlag von Waren erfolgte 1990 noch an allen Stationen.

 

Die Güterwagen wurden von einem Güterzug mit Personentransport gebracht und abgeholt, der Zug vom ersten Foto auf dieser Seite. 1990 fuhr es noch mit dem heute historischen Ge 6/6 I.

 

Der Zement dieser beiden Zementwagen wurde von den Firma Hans-Fischer aus Chur auf die Baustelle gebracht.

 

Alle Güter mussten auf der Schiene transportiert werden.

 

Frische Produkte in gekühlten Güterwagen auch in Personenzügen, wie z. B. der Wagen mit CooP-Schriftzug auf einem oben gezeigten Foto.

Andere Wagen wurden mit den vielen durchgehende Güterzüge transportiert. Auf dem Foto ein Güterzug mit Holz in Richtung Pontresina.

 

Filisur hatte 1990 noch eine Rangierlokomotive, die Te 2/2 71, aber ich habe sie nie in Aktion gesehen.